EZB-Stresstest zeigt entspannte Situation bei Zinsrisiko

Die Ergebnisse des EZB-Stresstest wurden – anders in den Vorjahren – nicht veröffentlicht, aber von der EZB entspannt kommentiert. Neben den üblichen Stresstestfaktoren, stand in 2017 ein Fokus auf ein Anziehen des Marktzinsniveaus. Während Banken in Normal- oder Hochzinsphasen grundsätzlich besser verdienen als derzeit, ist das Problem durch die lang anhaltende Niedrigzinsphase entstanden: Im Anlagebuch sind niedrigverzinsliche Aktive – Darlehen und Anleihen – entstanden, die bei einem Anziehen des Zinses unattraktiver werden und ggfs. wertberichtigt werden müssen. Darüber hinaus könnte ein verändertes Zinsumfeld, Kunden dazu verleiten, ihr Geld woanders anzulegen, daraus entstünde potentiell ein Liquiditätsproblem. Von den rund 120 Euro-Banken wurden 51 einem Stresstest unterzogen.

Für einzelne Banken leicht höhere Kapitalanforderungen möglich

Die Resultate des Tests fließen in die Überprüfung der einzelnen Kreditinstitute ein. Im Anschluss legt die EZB individuelle Kapitalvorgaben für die rund 120 Institute fest, die sie direkt beaufsichtigt. Branchenweit werde sich an den Kapitalanforderung durch den Stresstest nichts ändern, sagte EZB-Generaldirektor Ibel. Bei einzelnen Instituten könne es jedoch durchaus Erhöhungen beziehungsweise Senkungen um bis zu 25 Basispunkte geben. Durch die gute Datenbasis kann die EZB die Diskussionen auf einem Level führen, das bisher undenkbar war.

Anstieg um 200 BP führt zu Zinsergebnis +10% – Anlagebuch -3%

Bei einem Anstieg der Zinsen um zwei Prozentpunkte würde das Zinsergebnis der untersuchten Banken bis 2019 um gut zehn Prozent steigen. Allerdings würde der Wert des Anlagebuchs um 2,7 Prozent fallen – unter anderem wegen einer Neubewertung von Krediten und Anleihen. Falls die EZB-Leitzinsen auf dem aktuellen Stand verharren, würde das Zinsergebnis der Banken um 7,5 Prozent fallen, schließlich laufen bei den Banken sukzessive die höher verzinsten Anlagen und Kredite aus.

In unserem Seminar Risikomanagement gehen wir auf diese spezielle Risikosituation detailliert ein.

Zinsänderungsrisiko für EZB-beaufsichtige Banken

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